Heimat-, Kultur - und Museumsverein Abbenrode e.V.



 

 Bilder Mühle Otto (Sanierung)

 

         
Mühlgraben
Sanierung der Grundmauern und Westgiebel, Januar 2004
 Zisterne
Bau der Wasserzisterne, Tiefe 4,5m, April 2004
 Fußboden
Sanierung des kompletten Fußbodens im Dachgeschoss.

 

 Mauer
Erneuerung der Natursteinwände im Keller.

                                                                                                 

         

 

Karl Heinz Kienert beim Putzen der alten Feldsteine.
 

 

Lothar Kienert beim Verfugen der Wände.
 

 

Die alte und die neue Mühlenradwelle
 

 

Mit dem Kran von Jürgen „Bagger” Friehe wurde die neue Welle in die Radstube eingesetzt.

 

         

 

Teil der neuen Radstube mit Besucherlaufsteg.
 

 

Mühlenbauer Axel Brüggemann mit Sohn beim Einbau des neuen Mühlenrades.
 

 

Aufarbeitung des Sechskantsichters beim TAW Wernigerode.
 Einsetzen der Pumpe in die fertige Zisterne, v.l.n.r. Andreas und Christoph Weihe sowie Michael Brandes

 

         

 

Frank Dehne war der Fachmann für die Schweißarbeiten, hier beim anbringen des neuen Geländers für den Eingang.
 

 

Sichtfenster
Gewichtstest ür das neue Schauglas über dem Mühlen
frad, v.l.n.r. Wolfgang Wehr, Andreas Weihe und Michael Brandes.
 

 

Das neue Tor zur Radstube und neuer Steintreppe.
 

 

 

Bilder Mühle Otto: Geschichte /  Technische Daten

 

      

 

Die Mühle Otto vor der Sanierung 2002.
 

 

Louis Otto
Letzter Müller bis 1947.
 

 

Mai
Fritz Otto mit seinem Pferdegespann beim 1. Mai in den 50er Jahren. Neben ihm auf dem Bock Hermann ”Kruse„ Bormann.

 

Die Wassermühle Otto wurde zwischen 2003 und 2006 durch den Heimatverein Abbenrode grundsaniert.

Die Gebäudesubstanz:
Ca. 90 m2 bebaute Fläche, Kellergeschoss Bruchsteinmauerwerk bzw. Ziegelmauerwerk, Erdgeschoß Ober- und Dachgeschoß Fachwerkkonstruktion mit Lehm − bzw. Ziegelgefach, stahlträgergestützte Gewölbekonstruktionen in der Radstube.

Es (gehörten bzw.) gehören an technischen Einrichtungen dazu:
Ein oberschlächtiges Wasserrad (Eiche), 2,50 m Durchmesser mit zugehörigem Gossen- und Flutwerk aus Eichenholzkonstruktionen, im Außenbereich Bruchsteinmauerwerk, Wasserradachse in Eichenholz, eiserne Kamm- und Stirnräder mit eingesetzten Hainbuchenkämmen, Pumpenschacht und Wasserspeicher (10 m³) mit einer 18 kW Elektrotauchpumpe (Förderhöchstmenge 110 l /Sek. = 396 m³ /Std.). Die drei Mahlgänge geben Hinweise auf den Haupterwerbszweig als Sägemehl- und Schrotmühle.

Drei mit Picke und Kraushammer geschärfte Mühlensteine aus Kunststeingemisch hergestellte (französischer Süßwasserquarzit auf Beton als Trägermaterial), so genannte Franzosen, ca. 0,6 − 0,8 to schwer, Lager- bzw. Läuferstein, Durchmesser ca. 1,05 m, Steinauge ca. 30 cm stark. Die Haue fixiert den Stein auf dem per Vorgelege angetriebenen Mühleisen, der Läufer erreicht bis zu 180 Umdrehungen pro Minute. Aus dem mit Messmarken versehenen Schüttguttrichter rieselt das Mahlgut durch die Speisevorrichtung „ricke racke” zwischen die Steine. Die Zentrifugalkraft, Stichwort „Luftfurchen im Stein” bedingt dann, dass das zu mahlende bzw. zu schrotende Gut erst die Vorbrechzone und dann die eigentliche Mahl- oder Schrotzone passiert. Die Feineinstellung mit dem Stellwerk macht die Klassifizierung aus. Die Tagesleistung bei voller Wasserkraft betrug 25 − 35 Doppelzentner (dz =100 kg) in 12 Stunden. Die die Steine umgebende hölzerne (bzw. eiserne) Bütte fängt das Mahlergebnis auf und lässt es durch die Mehlpfeifen in Doppelzentnersäcke runterrieseln. Der Müller erhielt einen bestimmten Anteil (Toll genannt) des zu mahlenden Gutes als Naturalmahllohn, den er mit dem auch Toll bezeichneten Gefäß entnahm und in der Tollkiste sammelte.

Um die Steine nach etwa 500 − 1000 Doppelzentner Mahlleistung neu schärfen zu können, hob man sie mittels des Steinkrans auseinander, in seinen Klauen konnte man den Läuferstein auch umwenden.

Das ausgeklügelte System der installierten Riemen angetriebenen Transmissionen trieb u. a. Sechskantsichter (Keller), eine Getreidereinigungsanlage (im Dachgeschoss?) und früher wahrscheinlich auch den Sackaufzug im Dachgeschoss an.

C.B.-S.

 

 

 

Vorrichtungen zur Mahlgutzufuhr

Das auf der Bütte liegende Rumpfzeug enthält alle Vorrichtungen zur Mahlgutzufuhr. Auf dem Grundgerüst befinden sich Trichter mit Schieber, Rüttelschuh mit Anschlagholz und die Spannvorrichtung zur Einstellung des Rüttelschuhes.

 

 

 

 

 

                               Funktionsweise des Rüttelschuhs

Ein „Augen-Blick” (ins Auge des Läufersteins) offenbart die Wirkungsweise des Rüttelschuhes. Die unter dem Trichter in geneigter Position hängende Vorrichtung wird bei Drehung der Spindel durch Anschlagen der vier an der Mahlspindel angeschraubten Rundeisenstäbe („Vierschlag”) am Schlagholz des Rüttelschuhes in eine rhythmische Bewegung gebracht, deren Frequenz sich mit der  Drehzahl ändert. Somit wird der Mahlgang bei schnelleren Umdrehungen stärker gespeist und bei langsameren entsprechend geringer. Zur Feindosierung dient das vorn am Rüttelschuh befestigte Seil, das durch Spannen oder Lockern über eine arretierbare Seilwelle ein Heben oder Senken des Rüttelschuhes und damit eine Änderung der Zutrittsmenge bis zur vollen Unterbrechung oder Öffnung des Einlaufes bewirkt und durch Schrägzug um die Holznägel den Anpressdruck des Schlagholzes an den Vierschlag steuert.

 

 

 

Geschichte der Mühle Zimmermann - 400 Jahre Papier- und Mahlmühle
 

1607 Papiermühle in Abbenrode (Alte Papiermühlen der Provinz Sachsen von Friedrich von Hößle):
Abbenrode, der Papiermühlenort, liegt südlich von Vienenburg, dem durch seine Salzbergwerkskatastrophe bekannten Ort, und hat als treibendes Wasser die Ecker.
Nach „Dr. Dörings Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen” wurde die Papiermühle im Jahre 1607 auf Veranlassung des Halberstädter Domdechanten Mathias von Oppen durch einen Baumeister Christoph Straube ausgeführt. Es bleibt unklar, ob es sich um eine Gründung des Domkapitels selbst gehandelt hat, denn andererseits wurde nach G.A. Mülverstedt mit dem ersten Papiermeister Jacob Schultze am 23. September ein Vertrag abgeschlossen, nach dem Schultze sich verpflichtet, eine Mühle mit zwei Rädern zu erbauen, wozu er ein Baugeld von 600 Talern und das nötige Holz erhalten sollte. Dagegen hatte er zwanzig Jahre einen jährlichen Pachtzins von 100 Talern nebst einem halben Ries Papier zu entrichten. Nach Ablauf dieser Zeit ging die Mühle an die Herrschaft zurück. Von Meister Schultze stammt die große Krone.

Bei Briquet findet sich Band 1, Seite 156, diese Abmachung irrtümlich unter den Wernigeröder Papiermühlen. Aus der Geschichte anderer Papiermühlen konnte Schultzes Nachfolger festgestellt werden. Die 20 jährige Vertragsdauer war verstrichen, man stand inmitten des Dreißigjährigen Krieges und das Werk schien Privatbesitz geblieben zu sein.

Es sind nachgewiesen:

1635 Papiermeister Thomas Frank
1639 Meister Müller, dessen Tochter einen Papiermacher Runge in Wernigerode heiratete.

1660 arbeitete der Papierer Mathias Franke der 1677 die Papiermüllerstochter Margareth Bollau von Weddersleben ehelichte. Dieses Paar war wohl durch das gleichzeitige Ableben des Schwiegervaters Bollau in der Lage, die Papiermühle Weddersleben zu kaufen (aus der 375 jährigen Geschichte der Kaisersteinschen Papiermühle dort).

Mathias Franke hatte sich mit seiner Frau so gut in Abbenrode eingelebt, dass sie sesshaft blieben und Weddersleben an ihren Sohn Jacob Franke abtraten. Vater Mathias starb 1698.

Bis zum Jahre 1744 wirkte hier der Meister Heinrich Conrad Schmid, welcher nach Königslutter übersiedelte. In der Geschichte der Papiermühle Königslutter bei Braunschweig (Papierfabrikant 1930, Heft 18) liest man von deren Aufblühen unter der Familie Schmid, von welcher als erster etwa 1744 Meister Conrad Schmid von Abbenrode bei Vienenburg hinüber kam. Er stellte 1750 in Königslutter ein Holländerwerk auf, hier wegen er aber mit neidischen Kollegen in Streit geriet, welche übrigens abgewiesen wurden.

1745 heiratete Christian Christoph Grove von Veckenstedt an der Ilse eine Elisabeth Abel und wurde anlässlich dessen Besitznachfolger. (Unter den preußischen Stempelpapieren mit den bekannten Buchstaben KPHSTUKC siehe 1929 Nr. 52 ist auch seine Firma vertreten.).

Um die Jahrhundertwende wurde die Papiermühle von einem Papiermüller Bollmann längere Zeit betrieben, dessen Name auch von einer Papierhandlung in Braunschweig , dann wieder von der Papiermühle Gröningen, bekannt ist. Nach mündlicher Überlieferung eines 1836 dort geborenen Landsmannes war letzter Besitzer und Bollmanns Nachfolger, der die Papiermühle noch mit 10 − 12 Papiermachern betrieb, ein Herr von Clausbruch, der den Betrieb in richtiger Einschätzung des einsetzenden Niedergangs alter Handpapiermacherei um 1855 einstellte. Viele Männer haben mit allen möglichen Versuchen, die Wasserkraft weiter auszunützen, ihr Geld verloren, bis endlich eine Getreidemühle sich als lebensfähig bewährte.

Nach 1855 wurde die Papiermühle in eine Getreidemühle umgebaut.

In dem Jahre 1860 wird die Mühle von einem Kaufmann Wegert als Getreidemühle genannt.

1909 übernahm der Müllermeister Friedrich Zimmermann die Mühle.

1939 übernahm sein Sohn Friedrich Zimmermann (Vater von Friedrich, Klaus und Christa Zimmermann, verheiratet Wehr), die Getreidemühle. Die Mühle wurde mit zwei Walzenmahlstühlen und einer Getreidequetsche ausgerüstet.
Die Mahlprodukte wurden durch ein Glasrohrsystem transportiert und über den Plansichter und Transportschnecken zu Qualitätsmehl und Grieß verarbeitet.
Es wurde auch noch ein Schrotgang mit Mahlsteinen benutzt. Bis 1960 wurde noch Mehl an die Bäckereien im Kreis Wernigerode ausgefahren.

1960 wurde die Mühle zu einem Mischfutterbetrieb „Glück zu” umgewandelt. Es war eine Gemeinschaftseinrichtung von landwirtschaftlichen Betrieben, der LPGn Abbenrode, Stapelburg und Ilsenburg. Das Mischfutter wurde mit einem LKW zu den Stallungen der jeweiligen LPG`n ausgeliefert. Die Rezepturen des Mischfutters, unterteilt nach Viehgruppen und Arten, wirkten sich positiv auf die Leistung der Viehwirtschaft aus. Mit der Entwicklung des Mischfutterbetriebes änderte sich auch die Technologie in der Mühle. Durch den Einbau einer Hammermühle und eines zweiten Mischbehälters wurde der Mischbetrieb verbessert und vereinfacht. Dem Getreideschrot wurden solche Komponenten wie Rapsschrot, Sojaschrot, Spurenelemente wie Mastapan, Kälpan und Ferkopan sowie Futterkalk zugemischt.

1990 wurde der Mischfutterbetrieb durch die Auflösung der LPG eingestellt.

Im Jahre 1996 wurde zum Pfingstmontag die erste Führung zur Mühle Zimmermann, aus Anlass des Deutschen Mühlentages vom Heimatverein Abbenrode durchgeführt.

Zu den jährlichen Mühlentagen öffnet die Zimmermannsche Mühle wieder ihre Türen. Wolfgang Wehr und Friedrich Zimmermann zeigen dann den vielen Besuchern das ehemalige Handwerk des Müllers mit seiner Mühlentechnik.

Chronik Abbenrode

 

Bilder Mühle Zimmermann

 

 

         
Papierwasserzeichen des Papiermeister Jacob Schultze  

 

Ansicht Wohnhaus. v.l. Karl Wedekind, seine Tochter Minna Dörge, Alice Zimmermann, (?), Friedrich Zimmermann
 

 

Mühle Zimmermann Hofansicht.
 

 

Ansicht Mühle Parkseite mit Radstube.

 

 

         

 

Ansicht aus Richtung Schimmerwald, Südwesten
 

 

Innenansicht mit Antrieb und Mühlenachse
 

 

Altes Wasserrad
Das vorhandene Wasserrad bedarf einer dringenden Reparatur.
 

 

Der Sackaufzug der Mühle Zimmermann

 

 

   

      

 

Schrotgang in der Mühle Zimmermann
 

 

Steinkran zum abheben und wenden des „Läufersteins”
 

 

Mühlenfest 2004 auf dem Hof der Mühle Zimmermann