Heimat-, Kultur - und Museumsverein Abbenrode e.V.



Geschichte der Holzmehlmühle Siebrecht in Abbenrode
 
Die Mühle Siebrecht wurde wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1607 und 1609 auf Veranlassung des Halberstädter Domkapitels auf einem alten Gewerbebetriebsplatz am Hütteberg als Sägemühle aufgebaut.
Sie ist bzw. war die kleinste und letzte der Mühlen am oberen Mühlengraben der Ecker. Vom oberen Eckerwehr (Am Altfeld) abzweigend mündet dieser wieder hinter der Mühle Siebrecht, am mittleren Eckerwehr, in die Ecker.

Erster Mühlenbesitzer der Familie Siebrecht in Abbenrode war Friedrich Julius Siebrecht, geb. 1806 in Altwallmoden, der die Mühle um 1830 käuflich erwarb. Er verstarb knapp 55-jährig 1861 in Abbenrode.
Sein Sohn Carl Friedrich, geb. 1836 veräußerte, die Mühle 1874 an Müller Bartels und kaufte im selben Jahr in Lochtum eine Wassermühle ( heute bekannt als „Degenmühle” in der Nachbarschaft zum Lochtumer Schießstand ). Die Betriebsgröße und die bessere Wasserversorgung direkt an der Ecker könnte der Grund für diese Entscheidung gewesen sein.

Die drei Söhne Carl Friedrich Siebrecht, Edmund Eduard Hugo S., geb. 1868, Carl jun., geb. 1870, und Alwin Hermann, geb. 1877, erlernten alle das Müllerhandwerk.
Carl Siebrecht entwickelt und produziert als erster Holzstreumehl als Teigisolierungsmittel im Backgewerbe. Er gründete 1874 die Firma Carl Siebrecht Söhne KG.
Sohn Edmund übernahm um 1900 eine Mühle in Hannover, die er nach und nach zu einer gut florierenden Backmittelfabrik ausbaute. Die Produktion wurde ab 1920 nach Hämelerwald (Landkreis. Peine) verlegt. Carl junior führte die Mühle in Lochtum weiter. Noch vor seinem Vater Carl Friedrich verstarb er 1930 in Lochtum. Seine Witwe veräußerte die Mühle.

Alwin Hermann Siebrecht kaufte 1908 die Holmehlmühle Hinter der Ecker 1( damals Nr. 68) in Abbenrode von der Witwe Bartels zurück. 1917 musste die Mühle nach einem schweren Brand wieder aufgebaut werden. 1930 brannte auch der Stall nieder, dessen Anbau als Spänelager diente. Auch er wurde wieder aufgebaut. Neben der Mühle wurde auch eine kleine Landwirtschaft betrieben. Nachdem er 1952 die Mühle nach einem weiteren Totalbrand (Folge einer Staubexplosion) wieder aufgebaut hatte und so ein moderner Holzmehlmahlbetrieb geschaffen war, der einigen Familien Lohn und Brot bieten konnte, wurden Alwin Siebrecht sen. und Alwin jun. vom damaligen Regime gezwungen, ihren Betrieb 1957 in eine Kommanditgesellschaft zu überführen. Die Betriebsleitung übernahm das Sägewerk in Wernigerode. Endgültig enteignet wurden sie 1962 - die Mühle Siebrecht wurde Volkseigentum.

Mit dem Ausbau der Maschinen und deren Abtransport nach Bad Schandau wurde das Ende der Mühle besiegelt. Der Abriss des Stalls erfolgte in den 70er Jahren. Mit Alwin Hartwig Siebrecht, geb. 1922 in Abbenrode, letzter Betreiber der Siebrecht´schen Mühle, ist das ursprüngliche Müllerhandwerk in der Familie Siebrecht in der 10. Generation ausgestorben (seit 1570).

Heute befinden sich die ehemalige Mühle und das Wohnhaus wieder im Besitz der Familie Brauer-Siebrecht. In dem Mühlengebäude befinden sich seit Mitte der 70er Jahre zwei Mietwohnungen.

Trotzdem ist die Fa. Carl Siebrecht und Söhne KG noch heute als Hersteller moderner Backmittel in Hannover existent! (
www.siebien-agrano.de)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Geschichte der Mühle Hinze
 

An dieser Stelle hat früher die Hütte von Kühlingerode gestanden, die 1311 urkundlich erwähnt wird.

Der Name Hütteberg und die Schlackenkuhle hinter den Wohnhäusern sind ein weiterer Beweis für den frühen Standort einer Eisenerzverhüttung. Bis 1920 befand sich dort noch eine große Schlackenhalde. Erst im Jahr 1920 wurde diese Halde abgefahren. An dieser Stelle befindet sich dort eine große Kuhle, auf deren Grund man auch heute noch Schlackenstücke finden kann. Zu dieser Hütte wurden täglich bis zu 8 Ackerwagen voll Erz aus dem Rammelsberg von Goslar heran gefahren. Auf dem Brandhai wurde die Holzkohle für die Hütte hergestellt.

Kühlingerode lag an der alten Kaiserstraße. An dieser Stelle baute um 1757 das Halberstädter Domkapitel ein Jagdhaus. Hier ist das Gebäude beim Altfeld (Lange, später Altersheim) gemeint. Die Kühlingeröder Wiesen erinnern noch an das Dorf, das 1422 bei einem Gefecht im Papenkrieg zerstört wurde. Die Einwohner wurden von Abbenrode aufgenommen.

1745 wird unter dem Namen Stolze ein Eisenhammer aufgeführt, der bis 1821 unter Georg Spörer in Betrieb ist. Der Eisenhammer brauchte für die laufende Arbeit 2 Mühlenräder mit Wasserantrieb und Transmission, ein Wasserrad mit Achse für den Eisenhammer und ein Wasserrad für das Gebläse für die höhere Holzkohlenerhitzung um den Schmelzpunkt des Eisenerzes zu erreichen.

Der Eisenhammer wird 1821 verkauft und in eine Faktorei zum Eisenhammer Ilsenburg umgewandelt.
1850 wird eine Chemische Fabrik eingerichtet. Die Besitzerverhältnisse ändern sich.
1860 wird in einem Schriftstück eine von Clausbruchsche Chemische Fabrik zu Abbenrode mit rückschlächtigen Rädern und oberschlächtigem Wasserrad genannt. Es wurde unter anderem Stärke, Waschpulver und Schuhcreme hergestellt. Auch von einer Fassfabrik ist die Rede. Demselben Eigentümer gehörte auch die Zimmermannsche Papiermühle.

Bevor Ende des 19. Jahrhunderts der zeitweilige Eigentümer Schacht die damalige Stärkefabrik (daher stammen die ausgebauten Etagen auf dem Dach, diese dienten als Trockenböden) zu einer Mühle ausbaute, war sie im Besitz von „Salomon Hardegen”. Diese Besitzer betrieben nebenbei noch einen Pferdehandel. Es heißt, dass diese Pferde alle die Krankheit „Rotz” hatten. Auf dem Hütteberg soll man ein großes Loch ausgehoben haben, in dem dann die erschossenen Pferde begraben wurden.

Der spätere Besitzer Schacht, der die Stärkefabrik dann zu einer Kornmühle umbaute, soll in seinem Pferdestall diese Krankheit wieder gehabt haben.
Die Gegend um die Mühle, nebst den 3 Wohnhäusern, nennt man heute noch „Auf der Fabrik”, auf Plattdeutsch „Up de Fabreike”. Diese Gegend wird auch „Auf der Hoheit” genannt.
Am 6. April 1897 verkaufte Friedrich Schacht, Abbenrode Nr. 69 , das Mühlengrundstück an den Müllermeister August Hinze und dessen Ehefrau Wilhelmine, geb. Kunze.

Der Kaufvertrag wurde bei dem Königlich Preußischen Notar Gustav Russel zu Goslar abgeschlossen. Die Kaufsumme betrug 33.000,- Mark. August Hinze hatte ab 1870 die erste Müllerstelle in Peters Mühle und die Leitung der Obermühle in Wülperode inne. In einem Vertrag wurden dabei alle Rechte und Pflichten sowie die Bezahlung festgehalten. Die Vergütung erfolgte aber nicht nur in barer Münze, sondern auch in freier Wohnung und Naturalien.
Dazu gehörten Benutzung des zugewiesenen Gartenlandes, Kartoffelland, zu Weihnachten ein halbes Schwein zu 200 Pfund, zu Michaelis ein Schnittschaf, wöchentlich mehrere Brote, Butter, Käse, Bier, Weißkohl, Eier, Mehl, Schrotgrütze usw., freies Licht und Heizung. Zu den Aufgaben der Frau Wilhelmine gehörte die Reinigung aller Mühlennebengelasse, der Kammern der Mühlenknappen und die Pflege deren Betten. Der Mühlenbesitzer August Hinze muss um die Jahrhundertwende verstorben sein. Bei gerichtlichen Streitigkeiten erscheint immer der Name der Witwe Wilhelmine, meistens durch ihren Sohn Adolf vertreten.

Die Mühle wurde dann von der Witwe Wilhelmine und ihren Söhnen Adolf und Otto betrieben. Außer der Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Schrotgang wird mit Wasserkraft und zwei Mühlenrädern eine Lohndreschmaschine, eine Häckselmaschine und eine Kreissäge für Lohnschnitt betrieben. Selbst die Milchzentrifuge, das Butterfass und die Butterknetmaschine laufen über die Transmission vom Wasserrad aus. Zur Mühle gehörte eine Landwirtschaft. Der Pferdemühlenwagen fuhr das Mehl zu vielen Bäckereien der Umgebung. Der Kutscher, Heinrich Plettner, arbeitete 45 Jahre bei der Mühle Hinze.

1939 heiratete der Müllermeister Friedrich Zimmermann die Tochter von Adolf Hinze, Wilhelmine und es erfolgte eine Wirtschaftszusammenlegung mit Zimmermanns. Im Zuge des Alterns der Familie Hinze wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Das Wohnhaus war noch einige Jahre vermietet. Durch den Verfall des Gebäudes musste es 1975 aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Eine 664 Jahre alte Hüttengeschichte mit Eisenhammer und Schmelzöfen sowie Mühlengeschichte ging zu Ende. Das Modell dieses Mühlengrundstückes ist original getreu nachgebaut und in der Wassermühle Otto zu besichtigen. Der Heimatverein fühlt sich der Geschichte verpflichtet und will aus den noch sichtbaren Anlagen ein Freilichtdenkmal errichten.